Speedway Teterow Pfingsten 2019


Seit vielen Jahren besuche ich zu Pfingsten das verschlafene Städtchen Teterow in der Mecklenburger Schweiz, das an einem Wochenende im Jahr zum Mekka des Motorrad-Bahnsports in Europa wird. Auf dem legendären Bergring mit seiner Grasbahn, den Sprüngen und Gegenkurven, kämpfen am Pfingssonntag neben den Bahnmaschinen längst auch Crosser und Quads um schnelle Runden. Ein Stückchen weiter aber hinter einer Reihe krummer Kiefern liegt die Kellerholzarena, ein klassisches Speedway-Stadion mit Sandbahn, auf der die traditionellen Bahnmaschinen unter sich bleiben und in beinharten Vierkämpfen puren Motorsport zum Anfassen bieten, der sich in den letzten 50 Jahren kaum verändert hat.

Wenn ich in den vergangen Jahren für den Veranstalter fotografiert habe, lag mein Hauptaugenmerk darauf, die Rennläufe möglichst vollständig zu dokumentieren. In diesem Jahr wollte ich etwas anderes versuchen. An einigen Stellen der Arena fällt die tief stehende Abendsonne auf die Bahn. Perfekt für Gegenlichtaufnahmen. Der hinter den Maschinen hochwirbelnde Sand wirkt wie ein Bokeh, so dass ich mit kleineren Blenden die Aktion im Kontext einfangen und trotzdem den Blick des Betrachters im Foto auf das Motiv führen konnte. Die dichte Atmosphäre, der Kessel des Stations und die unmittelbare Nähe des Publikum zum Renngeschehen gehören für mich ebenso zu diesem packenden Motorsport-Event, wie die Gladiatoren auf dem Sand.

 

BMW X3 Campaign Dolomiten 2019


Anfang Juni hatte ich die Möglichkeit, für BMW den neuen X3 in den Dolomiten zu shooten. Ich habe ein großes Faible für die Marke mit der Doppelniere: Meine letzten 4 Autos stammten aus dem Münchener Werk, und ich fahre einen restaurierten 7er der ersten Baureihe. So war mir dieser Auftrag nicht nur eine Ehre, sondern auch eine Herzensangelegenheit. Fahrzeuge, stehend, fahrend oder im Rennen habe ich schon häufiger fotografiert, und ein Paar gute Spots in der atemberaubenden Dreitausender-Kulisse der Brenta-Gruppe waren schnell gefunden. Car-to-Car Fotografie, aus einem fahrenden Fahrzeug heraus ein anderes fotografieren, war aber ein ganz anders Thema, das ich bisher nur aus der Theorie kannte. 

Bei Car-to-Car sind mehrere Faktoren zu beachten und zu koordinieren. Um die gewünschte Bewegungsunschärfe auf der Fahrbahn und der Fahrbahnbegrenzung zu erzielen, ist eine lange Verschlusszeit zu wählen, die mindestens 1 Sekunde geteilt durch die gefahrene Geschwindigkeit entspricht. In diesen Fall waren es zwischen 1/60 und 1/80 Sekunde. Dann ist es wichtig, den Horizont zu halten, um wenig Crop-Verlust zu haben. Kopf und Körper lehnen sich automatisch in die Kurve. Die Kamera muss dagegen gewinkelt werden. Um Verluste durch Verwackeln gegenüber dem Motiv zu minimieren, habe ich kurze Bursts geschossen. Die Fahrer beider Fahrzeuge sind ebenfalls gefordert. Um die gewünschte Eindrittel-Zweidrittel Perspektive zu treffen, muss das vorausfahrende Fahrzeug auf die Gegenspur ausscheren. Da die Bewegungsunschärfe nur im Vordergrund, nicht aber im Hintergrund liegen soll, muss sich der Fahrer des folgenden Fahrzeugs während des Shots annähern. Dann kann der Schwenk der Kamera, die aufs Fahrzeug gerichtet ist, die laterale Bewegung zum Hintergrund ausgleichen.

 

Loïc Bruni Interview 2015


Im Juni 2015 hatte ich während des Pass'Portes du Soleil in den französischen Alpen die Gelegenheit, den aktuell amtierenden und mittlerweile dreifachen Weltmeister im Mountainbike-Downhill, Loïc Bruni, zu interviewen. Loic war mir in den beiden vorangegangen Jahren als Fahrer aufgefallen, der neben seinem fahrerischen Ausnahmetalent insbesondere durch seinen Charme, seine Persönlichkeit und seine Augenbrauen aus dem Feld der Kombattanten hervorstach. Obwohl Loïc mehrfach schon schnellste Qualizeiten gefahren war, schien es ihm anscheinend an Nerven zu fehlen, sein Potential auch in den Wertungsläufen zu entfalten. Genau dieser Frage wollte ich in meinem Interview auf den Grund gehen.


Ein Interview ist kein Fragebogen. Als Interviewer muss ich mir zwar vorab im Klaren darüber sein, was mein Thema ist und entsprechende Fragen vorbereiten, diese dienen mir aber nur als grober Leitfaden. Ein gutes Interview lebt meiner Meinung nach davon, daß ich auf die interviewte Person eingehen kann; dass es weniger Frage-Antwort-Spiel und mehr Dialog ist. Gibt mir mein Interviewpartner auf meine Frage hin neue Informationen oder einen Punkt zum Anknüpfen, improvisiere ich frei, verfolge aber trotzdem mein Thema.

Loïc hat es mir einfach gemacht, denn der Punkt Mentale Stärke im Wettkampf war ihm persönlich sehr wichtig. Nachdem ich anscheinend sein Vertrauen gewonnen hatte, gab er viele spannende und persönliche Details von sich preis.

Wenn Loïc spricht, hat er eine starke Mimik. Diese wollte ich gern in einer kleinen Porträtserie einfangen, ihn aber nicht während des Interview fotografieren. Ich habe mir also während des Gesprächs kleine Emos an Stellen gemacht, an denen er emotional reagiert hatte und dann die entsprechenden Punkte nach dem Interview noch einmal angesprochen, um so Loïcs Reaktionen noch einmal zu provozieren.

3 Monate nach diesem Interview gewann Loïc seinen ersten Weltmeistertitel in Valnord.



"Es ist hart, gut zu sein!"

Loïc, du kämpfst in dieser Saison um die Spitze im Downhill-Worldcup. Schnellste Qualizeiten, aber noch keine Siege. Ich kann mir vorstellen, du stehst dabei unter enormem Druck.

Ja.

Kommt dieser Druck eher von außen oder von dir selbst? Ich meine, sind es die Erwartungen, oder setzt du dich selbst unter Druck, in Hinblick auf das, was jetzt auf einmal in Reichweite liegt?

Laurent, unser Team Manager, war sich von Anfang an sicher, dass wir in diesem Jahr in der Gesamtwertung weiter vorn landen werden. Ich war da eher skeptisch. Aber nach Lourdes lagen wir auf einmal in Führung. Damit hatte ich vorher überhaupt nicht gerechnet. Ich wollte meine persönlichen Erwartungen und die Selbsteinschätzung meiner Leistung lieber nicht zu hoch ansetzen. Ich habe mir fest vorgenommen, einfach cool zu bleiben, aber irgendwie habe ich mich dann indirekt doch selbst unter Druck gesetzt.

Wie in den Jahren davor, wollte ich mein Bestes geben, der Beste sein, der ich sein kann. Ich versuche immer, die Dinge so gut wie nur irgend möglich zu machen. Es gibt Situationen, da habe ich nicht das Gefühl, irgendetwas falsch gemacht zu haben, es funktioniert nur einfach nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Leogang kürzlich war das perfekte Beispiel für ein echtes Scheiß-Wochenende, denn die Strecke liegt mir. Dort fühle ich mich immer gut. Ich war Schnellster und Zweitschnellster, bevor ich im Quali-Lauf gestürzt bin. Ich hatte den Speed und alles, aber mit dem Crash habe ich auch meine Siegchance verloren. Es wollte mir einfach nicht mehr gelingen, den Crash, diesen Tag, zu vergessen und bereit fürs Finale zu sein.

Ich kam dann als Achter rein. Also ich denke nicht, dass ich mich selbst zu sehr unter Druck setze, aber wenn ich ein Rennen gewinnen will, muss ich mich dafür voll reinhängen. Du gibst einfach alles, was du hast, aber manchmal läuft es halt nicht so, wie du es willst. Du stürzt, und dann machst du dich selbst verrückt.

Selbstvertrauen, der Glaube an deine Fähigkeit, ein Rennen zu gewinnen, darum geht es?

Ja.

Und wie gewinnt man so viel Selbstvertrauen, dass man in der Lage ist, beim Worldcup zu siegen?

Nun, ehrlich gesagt, ich habe ja bisher noch nie einen Worldcup gewonnen, also weiß ich es nicht.

Aber du glaubst doch schon, dass du es kannst.

Ja, kommt drauf an. In erster Linie hängt es von den Strecken ab. Dieses Jahr in Lourdes war ich richtig gut drauf. Ich wusste, dass ich eine Chance hatte zu gewinnen. Aber es ist verdammt hart, im Kopf dahin zu gelangen, wo du wirklich deine maximale Leistung bringst. All die Dinge, die da mit reinspielen: Zu wissen, dass Aaron Gwin gerade eine gute Zeit gefahren ist, eine verdammt gute. Zu wissen, dass du es schaffen kannst. Zu wissen, dass der Track anders und zerfahrener ist, als du ihn vom Training kennst.

Und dass da eine Masse von Menschen ist, die alle rufen: Mach es klar! Fahr das Ding nach Hause! Hol’s dir! Das spielt alles eine Rolle. Da ist so viel Zeug, dass dir im Kopf rumschwirrt, und es ist so schwer, sich bei all dem allein auf den Track und auf dein Fahren zu konzentrieren. Es ist also nicht nur das Selbstvertrauen, von dem es abhängt, ob du ein Rennen gewinnen kannst. Noch wichtiger ist es, ob du in der Lage bist, dich allein aufs Fahren zu konzentrieren, wenn du am Start-Gate stehst und alles andere dabei auszublenden.

Wenn du im Rennen gepatzt hast, oder bei einem Sturz wie in Leogang, wirkt sich das auch auf deine mentale Stärke für das nächste Rennen oder sogar darüber hinaus aus?

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